Payment im Handel: Vom Kosten- zum Innovationstreiber

Veröffentlicht am

17.01.2020

Endlich, mögen viele Experten betonen, ist mobiles Bezahlen in Deutschland angekommen. Maßgeblich getrieben durch die großen (amerikanischen) Kartengesellschaften und die großen (amerikanischen) Techkonzerne wurden Infrastruktur aktualisiert und Produkte entwickelt, die eine flächendeckende Akzeptanz erreichen. Nachdem im Vorjahr lediglich jeder Fünfte kontaktlos per Bank- oder Kreditkarte sowie mittels Smartphones oder -watch gezahlt hat, zahlen mittlerweile 33% der Nutzer in Deutschland mobil [1].

In den nächsten Jahren wird die Nutzung weiter steigen, da bestehende Produkte, wie z.B. Apple Pay, durch weitere Banken unterstützt werden, und neue Produkte, wie z.B. BlueCode, sich weiter etablieren werden. Zusammen mit einem sinkenden Anteil an Bargeld-Zahlungen, der 2018 mit 48,3% [2] erstmals weniger als die Hälfte aller stationären Zahlungen ausmachte, wird sich der Payment-Mix in Zukunft deutlich zugunsten von Karten- und girocard-Zahlungen verändern.

Umsatzanteile der Zahlungsarten im deutschen Einzelhandel

Vor dem Hintergrund der beschriebenen Marktentwicklungen muss sich jeder Händler fragen, wie das Thema Zahlungsverkehr künftig als strategische Unterstützung für das Kerngeschäft optimiert werden kann.

Typischerweise sind folgende Themen von hoher Relevanz:

  1. Verfügbarkeit der gewünschten Zahlmethode
  2. Hohe Tagesrelevanz und
  3. Eigene Payment Dienste
Verfügbarkeit der gewünschten Zahlmethode

Für viele war es eine Überraschung, als der Drogeriemarkt dm im Sommer 2019 die Einführung der chinesischen Bezahlmethode Alipay (alipay.com) in allen Märkten informierte [3]. Wenn man sich vor Augen führt, dass chinesische Käufer bevorzugt Gesundheits- und Drogerie-Produkte in Deutschland kaufen und in 2020 voraussichtlich mehr als 160 Millionen Chinesen ins Ausland reisen, ist das Anbieten von Alipay ein wesentlicher Vertrauensfaktor, Kunden zu adressieren.

Vor diesem Hintergrund wird die Einführung von zusätzlichen Zahlverfahren, die bestimmte Zielgruppen ansprechen, eine hohe Relevanz einnehmen. Zu den spannendsten Produkten zählen neben internationalen Verfahren, wie z.B. WeChatPay (https://pay.weixin.qq.com/index.php/public/wechatpay_en), auch innovative Produkte, wie z.B. Bluecode (bluecode.com) oder Barzahlen (barzahlen.de).

Hohe Tagesrelevanz

Seit Jahren sinkt die Anzahl der Einkäufe im Jahr, in 2018 waren es nur noch 193 mal [4]. Umso wichtiger wird es für Supermärkte, bei seinen Kunden über eine hohe Tagesrelevanz zu verfügen. Mit dem steigenden Anteil unbarer Zahlungen steigt auch die Verfügbarkeit von Daten, die genutzt werden können, um Kunden mit relevanten Angeboten zu adressieren. Ein spannendes Beispiel für die Verzahnung von Payment und Relevanz wurde kürzlich durch Apple aufgezeigt, das für alle Einkäufe von Apple-Produkten über eine Apple-Kreditkarte einen 6% Cashback anbot [5].

Wenn Händler durch geeignete Payment-Produkte die Relevanz von Einkäufen erhöhen, bieten sie neue Optionen, Kunden in die eigenen Shops zu lenken, wie dies u.a. auch durch Payback oder Amazon erfolgt.

Eigene Payment Dienste

Zu einer Zeit, in der die VW-Finanztochter die erfolgreichste deutsche Bank ist [6], sollten sich Händler die Frage stellen, ob der Aufbau eigener Finanz-Dienstleistungen nicht erfolgversprechender ist, als die wachsende Abhängigkeit von Dienstleistern mit Ihren eigenen Interessen.

Gerade die in jüngster Zeit häufig erwähnte Payment Service Direktive (PSD) der Europäischen Kommission, hat die Eintrittshürden für neue Marktteilnehmer deutlich reduziert und bietet Unternehmen die Möglichkeit, eigene Finanzdienstleistungen anzubieten, um das eigene Kerngeschäft zu unterstützen. Der Vorteil bei diesem Ansatz liegt in den verfügbaren Erfahrungen rund um das eigene Geschäftsmodell und dem starken Fokus der Finanzdienstleistungen auf die Unterstützung des Kerngeschäftes.

Auch wenn große Payment-Initiativen, wie z.B. Ottogruppe mit Yapital, in der Vergangenheit gescheitert sind [7], sind die Erfolgsaussichten aufgrund von höherer Akzeptanz neuer Verfahren und erfolgreicher Beispiele, wie z.B. Payback-Pay, deutlich besser zu bewerten.

In den vergangenen Jahren standen die Umsetzung regulatorischer und operativer Anforderungen im Fokus der Payment-Spezialisten bei Händlern. Das kommende Jahr startet wieder bei Null und bietet spannende Chancen, die Zahlungsabwicklung als Innovationstreiber für Händler zu etablieren.

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